Festbrennweite

In diesem Artikel gehe ich auf die Vor- und Nachteile von Festbrennweiten ein. Es ist nicht immer Sinnvoll mit einer Festbrennweite zu Arbeiten, dafür erreichen sie in einigen Situationen eine wesentlich bessere Bildqualität.

Nachteile von Festbrennweiten

Der wohl größte Nachteil einer Festbrennweite ist die unveränderbare Brennweite und der damit verbundene starre Blickwinkel. Etwas kompensieren kannst du das, indem du den Abstand zum Motiv veränderst. Möchtest du den gestalterischen Effekt von verschiedenen Brennweiten nutzen, musst du das Objektiv wechseln.
Nicht nur das Wechseln ist ein Problem. Außerdem musst du auch mehrere Festbrennweiten bei dir haben, wenn du für jeden Fall gerüstet sein möchtest. Für Shootings und Auftragsarbeiten mag das kein Problem sein, aber in der Strassen- und Reisefotografie wird das schnell sehr unangenehm.

Bildqualität von Festbrennweiten

Eine Festbrennweite hat in der Regel eine bessere Abbildungsqualität als ein Zoomobjektiv in der gleichen Brennweite. Das hat gleich mehrere Gründe:

Aufbau von Festbrennweiten

Zum einen sind Festbrennweiten viel einfacher gebaut. Der Designer kann sich auf einfachere mathematische Berechnungen stützen und so die verschiedenen Linsen im Objektiv für diese eine Brennweite optimieren. Bei einem Zoomobjektiv dagegen müssen viele Zustände beachtet werden. Dadurch müssen Kompromisse eingegangen werden, die eine geringere Bildqualität zur Folge hat.

Gegenlichtblende einer Festbrennweite

Eine weitere große Rolle spielt die Gegenlichtblende. Die Gegenlichtblende oder auch Streulichtblende soll alles Licht abblocken, das nicht am eigentlichen Bild beteiligt ist. Bei Zoomobjektiven ist das aber nicht möglich, da die Gegenlichtblende im Telebereich länger werden müsste ! Bei einer Festbrennweite kann die Gegenlichtblende hingegen perfekt angepasst werden, da sie nur für einen Blickwinkel arbeiten muss.

Festbrennweiten und Blenden

Der letzte Gründ für die erhöhte Bildqualität bei Festbrennweiten ist die größere Anfangsblende. Durch das Wegfallen des Zoombereichs können größere Linsen verwendet werden, ohne, dass das Objektiv zu schwer und zu teuer wird. Die Bildqualität nimmt bei Linsen zum Rand hin ab. Durch die größeren Linsen hast du aber die Möglichkeit etwas ab zu blenden und nur den guten Bereich in der Mitte der Linsen zu nutzen. Möchtest du zum Beispiel mit der Blende 2.8 Fotografieren, kannst du die Festbrennweite etwas abblenden, während du bei einem Zoomobjektiv mit offener Blende arbeiten musst.

Anfangsblende von Festbrennweiten

Wie schon erwähnt sind Festbrennweiten etwas heller, da hier größere Linsen verwendet werden. Das kann dir besonders bei Fotos im Dämmerlicht helfen. Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit schöne Bokehs zu erzeugen und so Motiv vom Hintergrund zu trennen. Je nach Brennweite sind Blenden von F/1,2 möglich. Allerdings sind am Vollformat schon Blenden von F/2,8 für ein Bokeh ausreichend. Mit einer Blende von F/1,4 lassen sich zum Beispiel nur die Augen scharf stellen. Objektive mit einer Anfangsblende von F/1,2 sind sehr teuer und dienen nur der erhöhung der Bildqualität durch das Abblenden bei Blende 1,4 und 1,8.

Gewicht und Größe von Festbrennweiten

Auch wenn mehrere Festbrennweiten deinen Rucksack schnell füllen können, sind die einzelnen Objektive leichter und kleiner. Wenn du bestimmte Brennweiten sehr bevorzugst, kannst du so für Reisen Gewicht und Volumen sparen. Ein gutes Beispiel ist das Canon EF 20mm f/2.8 USM, welches idael für Reisefotografie geeignet ist. Allerdings verzichtest du dabei etwas an Flexibilität, da du nicht zoomen kannst.

Festbrennweiten im Telebereich

Eine Besonderheit bietet der Telebereich. Zoomobjektive sind zwar auch bis in hohe Brennweiten verfügbar, allerdings sind sie oft so dunkel, dass sie nur an sonnigen Tagen zum Einsatz kommen können. Hier macht es am ehesten Sinn zur Festbrennweite zu greifen, da durch die große Blende eine kürzere Belichtungszeit erreicht werden kann. Diese ist im Telebereich absolut notwendig, um vor dem Verwackeln zu schützen.

Einsatzgebiete für eine Festbrennweite

Besonders geeignet sind Festbrennweiten für Studiofotografie und wenn das Resultat ein besondres großer Druck sein soll. Möchtest du dagegen flexibel und auf alles vorbereitet sein, solltest du zu einem Zoomobjektiv greifen. Die Unterschiede sind wirklich minimal und machen sich nur in der Detailansicht oder bei extrem großen Drucken bemerkbar. Bei eniem 30x15cm Ausdruck ist der Qualitätsunterschied sehr gering.

Tipp zur Festbrennweite

Zum Abschluss noch ein Tipp: Am wichtigsten ist immer das Motiv. Verpasst du dein Motiv, weil du das falsche Objektiv aufgesetzt hast, bringt dir auch die zusätzliche Qualität nichts. Gerade wenn du nicht weißt, was auf dich zu kommt, solltest du nicht zur Festbrennweite greifen. Festbrennweiten solltest du dann benutzen, wenn dein Motiv bereits im Kopf hast und weißt wonach du suchst.

Noch Fragen ?

Über Fotopunk: Hallo, ich bin Michael und arbeite als freier Pressefotograf. Seit einigen Monaten habe ich das Bloggen für mich entdeckt und bemühe mich mein Wissen aus dem Bereich der Fotografie in Worte zu fassen.
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2 Antworten auf Festbrennweite
  1. Rüdiger sagt:

    Hallo Michael,

    ich finde Deine Hinweise und Erklärungen sehr gut und hilfreich natürlich. Bin seit einem Jahr mit einer Olympus E520 (Einsteiger kamera,auch nur drei Focus Sensor Punkte im Sucher). Mit meinen Kit Obj. (3.5 – 5.6) habe ich eigentlich nur bei tollem Licht gute Ergebnisse. Nach einem Jahr Praxis und Forum im Internet, denke ich doch, das ich gerade bei der e 520 auch einen Frontfocus entdeckt habe, was etwas ärgert. Wie kriegt man sowas dauerhaft korrigiert, da ich laß, das in der Regel der Body, nicht die Linsen Schuld sind. – Ich liebäugele mit einem Aufstieg bald zu einer Canon 7 D , da ich gerne bewegte Motive verwirklichen will, wie z. B. Vögel, Greifvögel und ähnliches. Die 7D ist weiterhin eine tolle Kam. :-) Bin auch am Gucken wegen der neuen Nikon D7000, die ihr angeblich ebenbürtig sein könnte, bei kleinerem Body, teilrobust und geschützt. Aber…sie ist eben noch neu. Und die 7D genießt einen tollen erprobten Ruf. ;-)

    Es gibt von canon ein legendäres objektiv, wie das 100 mm tele-Makro L(schwarz)(?) so um die 900,- Euro. Ist dieses sowohl Makro(begrenzt scheinbar) wie kleines tele, auch für bewegte Vögel und Sport tauglich…?

    Und wie kann ich bei einem Kauf gleich feststellen (lassen)ob die 7 D ein Back- oder Frontfocus hat…?

    Der focus soll doch “Punktgenau” stets sitzen(!) :-)

    Über Deine Antworten freue ich mich sehr !!

    Viele Grüße, Rüdiger

  2. Fotopunk sagt:

    Hi Rüdiger,
    also ich bin eher der Meinung, dass die Objektive mehr Fehlfokusprobleme haben, denn diese haben viel mehr bewegliche Teile. Da sich der Sensor nicht bewegt, kann hier auch nichts verrutschen.
    Sollte die Kamera (oder ein neues Objektive) dann aber doch ein Problem mit dem Autofokus haben, bekommst du bei Canon im ersten Jahr nach dem Kauf eine kostenlose Justage in der Canon-Werkstatt.
    Die 7D soll wirklich eine der Kameras mit der besten Preis/Leistung sein. Ich konnte sie selber nur kurz testen, war aber zufrieden. Sie hat ein ähnlich gutes Fokussystem wie die 1ner Serie, dafür aber einen etwas kleineren Bildsensor – der trotzdem tolle Fotos liefert. Viele Konzertfotografen die ich kenne arbeiten mit der 7D auch bei sehr schlechtem Licht.

    Das 100mm Makro ist doch sehr speziell ! Es mag zwar eine tolle Festbrennweite sein, allerdings bist du damit sehr eingeschränkt ! Ob es dir für Vögel reichen wird ist auch fraglich. Ich bin zwar kein Naturfan, allerdings habe ich gelesen, dass Vögel eine sehr große Fluchtdistanz haben. Darum arbeiten Vogel-Fotografen eher mit extrem langen Brennweiten (ab 200mm). Ein 100-400mm sollte hier also besseres leisten. Dafür ist es natürlich für Makro nur bedingt brauchbar. Das 100mm Makro sollte dafür aber auch gut für sehr nahe Portraits sein!

    Ich hoffe ich konnte dir helfen, ansonsten schreib einfach nochmal,
    lg Micha

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